Die Macht der Routine – Welche Vorteile bringt die Gewohnheit mit sich?

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Bei dieser Artikelserie möchten wir auf das Thema Routine eingehen. In insgesamt 7 Beiträgen werden wir die folgenden Themen beleuchten: Was ist Routine?, Wie entsteht Routine?, Ist der Mensch wirklich ein Gewohnheitstier?, Aufbau von bewusster Routine, Routine im Alltag, Welche Vorteile bringt die Gewohnheit mit sich?, Welche Opfer muss ich bringen?

Dass sich Routine positiv auf unser Leben auswirken kann, haben wir bestimmt mittlerweile  verstanden. Die Überwindung des stressigen Alltags wäre hier nur ein Beispiel, doch es gibt noch unzählige mehr. Welche sind das? Und sind die  Vorteile wirklich so machtvoll?

Ein bekanntes Zitat besagt: „Routine macht frei.“ Und das stimmt, denn Routinen schaffen Zeit, um über wichtigere Dinge nachzudenken. Sie macht also wirklich frei. Dinge – wie die Zähne zu putzen oder die Schuhe zu binden – sind automatische Tätigkeiten. Gewohnheiten. Wir verschwenden keine Zeit mehr dafür und können uns unseren Prioritäten stellen, beispielsweise Zeit mit unseren Kindern oder unseren Partner verbringen.

Eine gut durchgeplante Tagesstruktur ist für jeden Menschen von extremer Wichtigkeit, vor allem aber für Menschen mit knapp bemessenem Zeitplan. Ohne eine Tagesstruktur würden wir untergehen.  Routine hilft uns dabei den Alltag besser zu organisieren, denn die automatische Ausführung mancher Tätigkeiten spart Zeit. Nehmen wir als Beispiel das Putzen der Wohnung. Je öfter du sie putzt, umso schneller prägst du dir die einzelnen Abläufe ein. Bad putzen, Saugen und den Boden wischen. Bald geht dir das alles schneller von der Hand und auf einmal hast du am Ende des Tages neben einer sauberen Wohnung auch noch etwas Freizeit übrig.

Qualität statt Quantität. Das gilt vor allem im Arbeitsleben. In den meisten Fällen bringt Routine mehr Qualität bei weniger Zeitaufwand. Aber trotzdem aufpassen – zu viel Gewohnheit kann bei  Berufen wie Feuerwehrmann oder Pilot zu mangelnder Aufmerksamkeit führen. Und damit sehr gefährlich werden.

Durch Routinen und Gewohnheiten fühlst du dich sicher und geborgen. Wie im vorangegangen Kapitel bereits beschrieben, ist dies besonders im Alter sehr wichtig. Aber auch bei unseren Kindern geht nichts ohne feste Rituale. Sie haben oft Angst vor neuen Dingen und fühlen sich deshalb in der Geborgenheit der Gewohnheiten am wohlsten. Feste Essenszeit. Das Buch vor dem Schlafengehen. Oder der Kuss von Mama oder Papa.

Neujahrsvorsätze wirken sich meist positiv auf unser Leben aus. Bei der Umsetzung kann bewusste Routine von Vorteil sein, denn wer etwas automatisch macht, der lässt sich auch schwer „umerziehen“, also von Ausreden abbringen. Ein Beispiel: Ich habe mir zum Jahreswechsel vorgenommen mehr zu lesen. Erst musste ich mich natürlich beinahe dazu zwingen, aber nach einigen Wochen, gehörte das Buch vor dem Schlafen zu meinen Alltag. Und keine Ausrede – wie zum Beispiel Müdigkeit – kann mich davon abbringen.

Ein weiterer Vorteil von Routine ist ganz klar der Belohnungseffekt. Dieser gehört ja zur Entstehung einer Routine dazu und sorgt dafür, dass wir uns glücklich und zufrieden fühlen. Schließlich haben wir etwas geschafft. Das kann die tägliche Grundordnung sein oder ein erfolgreicher Waschtag.

Ein Punkt – der vielen Menschen gar nicht erst auffällt – ist, dass Routine sogar dabei helfen kann Geld zu sparen. Wie denn das? Ganz einfach. Bestimmte Routinen  helfen uns dabei Dinge selbst zu erledigen, statt diese von anderen ausführen zu lassen. Kochen wir selbst regelmäßig frisch und gesund, fällt es uns leichter den Versuchungen von Pizzadienst oder Burgerbuden zu widerstehen. Laufen wir normalerweise lieber nach Hause, sind wir nicht auf ein teures Taxi angewiesen.

Wie man sieht, bietet uns die Routine zahlreiche Vorteile in unserem Alltag. Gewohnheiten können so machtvoll sein, dass sie dein ganzes Leben verändern und auch selbst schwer wieder zu ändern sind. Das will man ja eigentlich auch nicht. Aber genau darin liegt auch ein Problem. Gegebenheiten können sich ändern. Die Bequemlichkeit der Routine bleibt. Und so können die Vorteile auch leicht zu Nachteilen werden.

Beispielfall: Du hast jahrelang mit einem ganz normalen Elektroherd gekocht und diesen dann anschließend mit einem etwas aggressiven Reiniger gesäubert. Es ist zu deiner Routine geworden. Jetzt hast du zum Geburtstag einen neuen Herd geschenkt bekommen. Einen mit Induktion. Du  kochst ganz normal und sprühst anschließend – weil du es so gewohnt bist – den selben Reiniger auf das empfindliche Kochfeld. Herd kaputt, dank Routine.

Doch was sagen eigentlich die Menschen selbst darüber? Welche Vorteile hat denn nun die Routine für sie? Und wirkt sie sich eher gut oder schlecht auf ihr Leben aus?

„Es bringt nichts, jeden Tag dasselbe zu tun, nur weil man es sich selbst irgendwann auferlegt hat, im Glauben, dass es das Beste wäre.“ Das ist ein bekanntes Zitat von Bruce Lee, welches  zeigt, dass Routine nicht immer das Beste ist. Es soll zeigen, dass es wichtig ist, auch mal aus den Gewohnheiten auszubrechen. Doch längst nicht alle bekannten Persönlichkeiten sehen das so, manche haben sogar eine ganz bestimmt Routine gebraucht um erfolgreich zu werden oder zu bleiben. Am wichtigsten ist für sie hierbei scheinbar die Morgenroutine.

Barack Obama zum Beispiel. Der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist ein gutes Beispiel dafür, dass bewusste Routine auch durchaus eine Ablenkung vom Alltag sein kann. Keine E-Mails, keine Besprechungen und keine wichtigen Telefonate gehören zu seinem täglichen Morgen. Nein. Nach dem Aufstehen widmet sich Barack Obama als erstes einem ausführlichen Sportprogramm. Das ist nicht nur förderlich für seine Gesundheit, es hilft ihm auch dabei seinen Kopf für die wichtigen Dinge frei zubekommen.

Die eiserne Lady – Margaret Thatcher – stand jeden Morgen exakt um 5 Uhr auf, um sich die Radiosendung  „Farming Today“ anzuhören. Eine Art der Entspannung, den dabei ging es letztlich nur um Haushalt und Rezepte.

Um noch weiter in die Vergangenheit zurückzugehen, betrachten wir den Musiker Ludwig Beethoven. Ein eigensinniger Mann – so auch bei seinem Morgenritual. Täglich zählte er persönlich 60 Kaffeebohnen ab, um sich daraus seinen Kaffee zuzubereiten.

Manche Berühmtheiten setzen aber auch auf die abendliche Routine. Mark Twain beispielsweise. Wobei man in seinem Fall eher von einer negativen Routine sprechen musst. Der Autor konnte nämlich keine Nacht ohne Alkohol einschlafen. So trank er täglich Champagner, mehrere Bier und Schnaps bevor er friedlich schlummern konnte.

Die Gewohnheit von Schauspieler Mark Wahlberg hingegen ist bewundernswert. Seine Nächte sind extrem kurz, denn der Star steht jeden Tag um 2.30 Uhr auf. Nur um sein Training zu starten. Stehen wir erst auf, hat Mark Wahlberg bereits Sport und Frühstück hinter sich.

Ein berühmter Mann, der sich deutlich gegen Routine aussprach, war der britische Autor Arthur Koestler. „Alle großen Erfindungen, alle großen Werke sind das Resultat einer Befreiung, der Befreiung von der Routine des Denkens und Tuns.“ Seiner Meinung nach, sollte man sich also von Routine befreien, um erfolgreich zu sein.

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