Die Macht der Routine – Ist der Mensch wirklich ein Gewohnheitstier?

Bei dieser Artikelserie möchten wir auf das Thema Routine eingehen. In insgesamt 7 Beiträgen werden wir die folgenden Themen beleuchten: Was ist Routine?, Wie entsteht Routine?, Ist der Mensch wirklich ein Gewohnheitstier?, Aufbau von bewusster Routine, Routine im Alltag, Welche Vorteile bringt die Gewohnheit mit sich?, Welche Opfer muss ich bringen?

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wer hat diesen Satz noch nicht gehört oder sogar selbst schon gesagt? Aber was bedeutet es wirklich ein Gewohnheitstier zu sein und ist an dieser Aussage wirklich etwas dran?

Der Begriff „Gewohnheitstier“ wird als Person beschrieben, die keine Veränderungen mag und deren Lebensweise von Gewohnheiten geprägt wird. Mit einem echten Tier hat also eher weniger zu tun.

Wer ein Gewohnheitstier ist, hat es nicht leicht. Laut einer Studie der Wissenschaftlern von Harvard, hat man bessere Chancen sich zu verändern, wenn die Gewohnheiten abrupt gebrochen werden. Das passiert zum Beispiel bei einer Scheidung oder einem Todesfall. Anders sieht es zum Beispiel der Experte Rui Costa aus Portugal. Laut ihm werden wir gerade in Stresssituationen zu einem Gewohnheitstier und das kann er sogar mit einem tierischen Experiment belegen.  Mehrere Ratten hielt er sich in seinem Laborbereich und ließ ab und an fremde Ratten durch ein Fenster schauen. Das  brachte die kleinen Tiere ordentlich durcheinander und nach nur drei Wochen konnten diese keine eigenständigen Entscheidungen mehr treffen. Die Ratten setzten wie automatisch angelernte Gewohnheiten ein. Ob dieses  Experiment aber auf den Menschen übertragbar ist, wurde bisher noch nicht bewiesen.

Aber ist der Mensch denn nun wirklich ein Gewohnheitstier? Meiner Meinung nach, ja. Denn schaut man sich das menschliche Gehirn mal genauer an, fällt einen das sogenannte limbische System auf. Was ist das jetzt genau? Es sind die Schichten in unserem Hirn, in denen die Gewohnheiten verankert sind. Diese sind sehr tief. Dagegen ist die Hirnrinde, in der die positiven Vorsätze ihr Zuhause haben – also all die Dinge, die wir gerne ändern möchten – sehr dünn. Sie misst gerade mal 2,5 Millimeter. Um diese  Vorsätze zu erreichen, muss man also sehr tief graben.

Beispiele, die den Menschen als Gewohnheitstier entlarven, gibt es viele. Da wäre zum Beispiel der Kauf eines neuen Autos. Wer vorher gute Erfahrungen mit einer Automarke gemacht hat, wird wohl aus Gewohnheit immer wieder auf diese bestimmte Marke zurück greifen. Genauso ist es mit dem weit  verbreiteten Bier zum Feierabend. Wer einmal nach getaner Arbeit zur Flasche greift, der fühlt sich vielleicht entspannt – und wird es nach einigen Malen immer wieder tun. Laut Wissenschaftlern dauert es drei Jahre und mehr, um solche Gewohnheiten vollkommen zu ändern.

Sind eigentlich auch Tiere manchmal Gewohnheitstiere? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Tiere haben allgemein ein weniger gut ausgeprägtes Erinnerungsvermögen, was das angewöhnen von bestimmten regelmäßigen Verhalten etwas erschwert. Jedoch zeigen viele Arten ähnliche Muster wie wir Menschen. Gute Beispiele dafür sind Hunde und Katzen. Das Öffnen von Türen bei Katzen zählt zu einem solchem automatischen Verhalten. Die kleinen Samtpfoten sind ungern im Haus eingesperrt und bringen sich oft selbst bei ungeliebte Türen zu öffnen.  Das bringt ihnen Freiheit und sie verspüren einen Belohnungseffekt im Gehirn. Einmal angefangen, werden die Katzen es immer wieder tun.

1 Antwort

  1. 17. Dezember 2020

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