Die Macht der Routine – Aufbau von bewusster Routine

Bei dieser Artikelserie möchten wir auf das Thema Routine eingehen. In insgesamt 7 Beiträgen werden wir die folgenden Themen beleuchten: Was ist Routine?, Wie entsteht Routine?, Ist der Mensch wirklich ein Gewohnheitstier?, Aufbau von bewusster Routine, Routine im Alltag, Welche Vorteile bringt die Gewohnheit mit sich?, Welche Opfer muss ich bringen?

Gewöhnliche Routine. Wie diese entsteht, haben wir ja schon betrachtet. Aber da gibt es ja noch die bewusste Routine. Was ist denn da der Unterschied?

Eigentlich ganz einfach. Die gewöhnliche Routine entsteht im Unterbewusstsein, also ohne das man es eigentlich will. Sie kann sich sowohl positiv als auch negativ auf unser Leben auswirken. Die bewusste Routine hingegen kann von jedem Menschen mit etwas Arbeit erlernt werden und hat im Idealfall positive Ergebnisse. Denn wer will sich schon ein Verhalten antrainieren, dass einem schadet?

Das Geheimnis von bewusster Routine ist Durchhaltevermögen und Selbstdisziplin. Wie sie entsteht, lässt sich am Besten anhand eines kleinen Beispiels erklären. Ziel ist es angenommen gesünder zu leben, also möchte man tägliches Joggen zum Teil der Morgenroutine machen. Am Anfang muss man sich vielleicht jeden noch jeden Tag dazu zwingen, sozusagen den „inneren Schweinehund“ überwinden, doch bleibt man konsequent, wird man bald die Aktion automatisch durchführen. So wird dann auch das Gehirn weniger beansprucht, da man weniger darüber nachdenken muss. Man kann sich neuen Zielen widmen.

Schritt-für-Schritt kann das Ganze also so funktionieren: Als erstes musst du dir ein Ziel setzen – im Beispielfall wäre es das tägliche Joggen. Nun musst du überlegen, welchen Auslöser du am geeignetsten finden. Das Klingeln des Weckers zum Beispiel oder das Trinken einer Tasse Kaffee. Die darauf folgende Aktion ist dein vorher überlegtes Ziel. Zuletzt überlegst du dir einen Belohnungseffekt, beispielsweise: Durch das tägliche Joggen fühle ich mich deutlich fitter und reduziere mein Gewicht. Immer an das gewünschte Ergebnis denken, dann fällt es leichter sich zu überwinden und die bewusste Routine rückt in greifbare Nähe. Im besten Fall entsteht eine Art von Verlangen nach der Aktion.

Hat man es erst einmal geschafft eine bewusste Routine aufzubauen, fällt es leichter sich ähnliches Verhalten anzueignen.  Die erste bewusst antrainierte Routine wird dann „Schlüsselroutine“ genannt. Oder auch „Keystone Habits“.  Wissenschaftler fanden heraus, dass sich so das gesamte Leben positiver gestaltet. Laut einer Studie leben im Allgemeinen gesünder, wenn sie anfangen mehr Sport zu treiben. Sie essen bewusster und schauen weniger Fernsehen. Dabei ist Sport nur ein gern gewähltes Beispiel für eine Schlüsselroutine. Sie kann in den verschiedensten Bereichen des Alltags entstehen.

Klingt ja alles nicht ganz so schwierig, oder? Ist es aber, denn der Knackpunkt ist das Durchhalten. Was genau muss ich also an mir oder meinen Gedankenansätzen ändern, damit der Aufbau einer bewussten Routine auch wirklich funktioniert?

Gründe, warum es nicht funktioniert, gibt es viele. Mangelnde Pläne. Keine Leidenschaft für das Ziel. Zu viel auf einmal wollen.

Um ein Ziel zu erreichen, ist eine Änderung notwendig. Das ist Fakt. Sonst würden wir ja einfach so weiter machen wie bisher. Und diese Änderung ist keinesfalls unmöglich, das Stichwort lautet „Eiserne Disziplin“.  Labile Menschen haben es da deutlich schwerer. Überlege dir vorher, ob du standhaft genug bist. Wenn nicht, setzte dir kleinere Ziele. Beispielsweise du möchtest du mehr Zeit mit Lernen verbringen. Mindestens zwei Stunden am Tag. Doch du weißt genau, dass du dich gerne ablenken lässt und schon nach kurzer Zeit deine Motivation deutlich sinkt. Also fängst du bestenfalls mit kleineren Schritten an. Erstmal reicht ja auch eine halbe Stunde Lernen am Tag, hast du das als bewusste Routine verinnerlicht, kannst du die Lernzeit langsam steigern.  Aber aufgepasst: Die größte Disziplin bringt dir nichts, wenn kein Wille da ist. Du brauchst unbedingt Leidenschaft für das Erreichen des Ziels, sonst verlierst du ziemlich schnell die Lust daran.

Wie lange dauert denn aber nun die Verinnerlichung einer bewussten Routine? Laut Wissenschaftler rund 30 Tage, doch eine Studie erzielte andere Resultate. Wie im ersten Kapitel bereits erwähnt, fand die britische Psychologin Phillippa Lally – anhand einer Studie mit 96 Teilnehmern – heraus, dass nach etwa 66 Tagen bei den meisten Probanden eine gewisse Routine entstand. Probiere es einfach selbst aus, denn meiner Meinung nach, kommt die Dauer des Routineaufbaus auch auf die Persönlichkeit des einzelnen Menschen an.

Der Prozess durchläuft immer drei Phasen, die ungefähr jeweils ein Drittel der gesamten Zeit andauern.

Die erste Phase – die Startphase – wird auch Honeymoon-Phase genannt. Honeymoon, also die Flitterwochen. Genauso fühlt es sich auch an. Du bist inspiriert und deine Motivation ist am hier am größten. Bleibe trotzdem realistisch mit deinen Zielen.

Die zweite Phase. Der Widerstand. Jetzt wird es schwieriger, denn diese Phase ist so ein typisches Zwischending. Die anfängliche Motivation lässt nach und du fängst an deine alten Gewohnheiten zu vermissen. Der Belohnungseffekt des neuen Ziels ist noch zu schwach. Ein Tipp: Gehe jetzt Schritt für Schritt und erfreue dich an jedem noch so kleinen Schritt. Behalte im Hinterkopf, dass auch diese Phase nicht ewig anhält.

Die Etablierung, das ist die letzte Phase. Diese kommt meist unbemerkt. Die alten Gewohnheiten bleiben im Hinterkopf, doch das Kämpfen für die neue Routine wird weniger und das Nachdenken. Die Aktion integriert sich nach und nach in dein alltägliches Leben. Du hast es geschafft, aber lass dich nun bloß nicht von unerwartet Ereignissen – Krankheit oder Umzug zum Beispiel – von deinem Weg abbringen.

Übrigens – bewusste Routine macht das Leben nicht nur einfacher, sondern in manchen Fällen auch erfolgreicher. Der Autor Thomas C. Corley studierte lange die Gewohnheiten der Selfmade-Millionäre und fand heraus, dass viele von ihnen sich eine bestimmte Routine angeeignet haben. Sie lassen genau 3 Stunden zwischen dem Aufstehen und dem Beginn der Arbeit vergehen. Vielleicht nur ein Zufall, aber probiert er doch mal aus. Eventuell warten ja große Reichtümer auf euch.

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